oder „Wie Auszubildende Feedback geben“

Wie sage ich es meinem Ausbilder? Das fragen sich viele Auszubildende, die mit ihrer Ausbildung nicht ganz zufrieden sind. In den Praxisabteilungen werden diese von ausbildenden Fachkräften betreut und diese sollten auch der erste Ansprechpartner für Rückmeldungen sein. Denn für eine erfolgreiche Ausbildung ist es nicht nur wichtig, dass die Auszubildenden Feedback vom Ausbilder zu ihren Stärken und Schwächen erhalten und sich dadurch weiter entwickeln können. Genauso bedeutsam ist es, dass Auszubildende selbst Feedback geben. Manchmal trauen sich diese nicht, störende Punkte anzusprechen oder wählen die falschen Worte. Dann ist ein Konflikt schnell vorprogrammiert.

8 Tipps für ein erfolgreiches Feedback für Auszubildende

Heute habe ich 8 Tipps für Auszubildende zusammengestellt, wie diese wirkungsvoll Feedback geben können.

1. Bereiten Sie sich auf das Feedback vor.

Jedes Feedbackgespräch sollte in Ruhe vorbereitet werden. Denn spontane, unbedachte und zu emotionale Aussagen führen eher zu Konfliktsituationen. Und Sie selbst wünschen sich doch auch sachliches Feedback, oder?

Überlegen Sie sich vorab, welches Verhalten oder welche Situation Sie genau stört. Es schadet auch nicht, vorher darüber nachzudenken, ob die Art und Weise des Verhaltens der ausbildenden Fachkraft vielleicht bewusst so gewählt war und sogar Vorteile hat.

Machen Sie sich zudem Gedanken über mögliche Lösungs- oder Verbesserungsvorschläge, die Sie dann im Gespräch ansprechen können. Spontan im Dialog hat nicht jeder gleich einen guten Vorschlag parat.

Im Gespräch sollten die Azubibetreuer aber nicht mit zu vielen Verbesserungsvorschlägen und Kritikpunkten erschlagen werden. Wohl dosiert und mit den wichtigsten Themen im ersten Gespräch zu starten, ist eine gute Strategie.

Wenn es Ihnen schwer fällt, Feedback zu äußern, dürfen Sie das Gespräch auch mit einem Freund oder einen Freundin üben.

2. Finden Sie den richtigen Zeitpunkt.

Zwischen Tür und Angel bringen Feedbackgespräche nicht viel. Wählen Sie eine Tageszeit, zu der der Azubibetreuer Zeit und keinen anstehenden Termin hat. Eventuell ist vorher ein Termin zu vereinbaren.

Die Feedbackgespräche, in denen die Sie selbst Rückmeldung vom Ausbildungsbeauftragten erhalten, können Sie hier gut nutzen und ansprechen, was ihnen gut und was nicht so gut gefallen hat. Wenn nicht danach gefragt wird, gelingt ein guter Einstieg zum Beispiel mit der Frage „Darf ich Ihnen auch von mir eine Rückmeldung zum Einsatz in der Abteilung geben?“.

3. Sprechen Sie Kritikpunkte an.

Trauen Sie sich und sprechen Kritikpunkte an. Sonst weiß der Azubibetreuer gar nicht, dass Sie nicht zufrieden sind. Und als Konsequenz wird sich nichts ändern. Sie fühlen sich nur weiter unwohl. Und zudem haben nachfolgende Auszubildende in dieser Abteilung dann mit großer Wahrscheinlichkeit das gleiche Problem.

4. Erklären Sie die konkrete Situation und wie es Ihnen dabei geht.

Schuldzuweisungen oder Vorwürfe bringen niemanden weiter. Wichtig ist, dass Sie immer die konkrete(n) Situation(en) ansprechen, um die es geht („Vorgestern durfte ich den gesamten Tag Botengänge erledigen, gestern gab es einen größeren Kopierauftrag. Ich mache das gerne einmal zwischendurch, nur mit meiner Ausbildung zum Fachinformatiker haben diese Tätigkeiten nichts zu tun.“).

Die Aussage „Hier kümmert sich niemand um mich.“ ist wenig hilfreich. Eigene Gefühle und Folgen aufzuzeigen ist Erfolg versprechender: „Ich fühle mich verunsichert und habe Angst, meine Prüfung nicht zu bestehen, weil ich hauptsächlich Tätigkeiten erhalte, die nichts mit meiner Ausbildung zu tun haben.“ Hier können dann die genauen Aufgaben genannt werden, die ausbildungsfremd sind.

Eine weitere Möglichkeit ist es auch, den Azubibetreuer im Feedbackgespräch in die Lage des Auszubildenden zu versetzen. Die Frage könnte lauten: „Was würden Sie an meiner Stelle tun?“.

5. Nennen Sie Ihre Verbesserungswünsche (nicht erst am Einsatzende).

Machen Sie Lösungsvorschläge und nennen Sie Ihre Verbesserungswünsche. Sprechen Sie im Gespräch von Ihren Wünschen und Ideen („Ich würde mir wünschen, dass…“ oder „Ich hätte einen Vorschlag…“).

So manche Auszubildende wagen es erst am Ende eines Abteilungseinsatzes zu sagen, dass etwas nicht gepasst hat. Dann hat die Abteilung aber keine Chance mehr, sich zu verbessern. Wenn Sie unzufrieden sind, dürfen sie das frühzeitig ansprechen. Das muss nicht immer sofort sein. Manchmal ist es gut, noch ein paar Tage abzuwarten und zu beobachten. Wenn sich aber nichts ändert und Sie sich weiter unwohl führen, dann sprechen Sie dies an.

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6. Loben Sie die ausbildende Fachkraft.

Auch Ausbildungsbeauftragte freuen sich über Lob. Vergessen Sie daher nicht, positive Aspekte Ihres Praxiseinsatzes und das, was Ihnen in der Betreuung gut gefallen hat, anzusprechen. Es wird sicher nicht alles schlecht sein.

7. Zeigen Sie den Nutzen auf.

Ein i-Tüpfelchen im erfolgreichen Feedbackgespräch kann es sein, wenn Sie dem Ausbilder den eigenen Nutzen aufzeigen, den sein verändertes Verhalten für ihn selbst und die Zusammenarbeit mit Ihnen bringt. Was haben Azubibetreuer zum Beispiel davon, wenn sie Auszubildenden mehr in das Alltagsgeschäft einbinden? Das mag zuerst mehr Betreuungsaufwand sein, bringt aber schon schnell Entlastung.

8. Informieren Sie den verantwortlichen Ausbilder.

Wenn sich trotz eines ersten Gesprächs nichts ändert, sollte erst einmal ein erneutes Gespräch gesucht werden. Hier können Sie erneut ansprechen, dass Ihnen das Thema sehr wichtig ist. Tritt dann immer noch keine Verbesserung ein, sollten Sie sich an den hauptamtlichen Ausbilder wenden und um Unterstützung bitten. Auch in seinem Interesse sollte es liegen, dass die Ausbildung in den Fachbereichen erfolgreich verläuft.

Zum Abschluss habe ich noch eine kleine Checkliste für das nächste Feedbackgespräch erstellt.

Checkliste für ein erfolgreiches Feedbackgespräch

  • Sind Sie ausreichend auf das Feedbackgespräch vorbereitet?
  • Können Sie Verhaltensbeispiele (konkrete Situation) nennen?
  • Wissen Sie, welche Lösungsvorschläge Sie nennen können?
  • Könnte es einen Grund für das Verhalten des Ausbildungsbeauftragten geben, der bewusst so gewählt ist?
  • Haben Sie das Gespräch geübt?
  • Haben Sie den richtigen Zeitpunkt gefunden?
  • Ist es an der Zeit, das Problem anzusprechen?
  • Weisen Sie auch auf Ihre Gefühle und Folgen für Sie hin?
  • Gibt es Positives zum Praxiseinsatz zu erwähnen?
  • Können Sie der ausbildenden Fachkräfte seinen Nutzen aufzeigen?
  • Ist es notwendig den hauptamtlichen Ausbilder zu informieren?

Alle Ausbilder wie Azubibetreuer dürfen die Checkliste und die Tipps gerne an ihre Auszubildenden weiter geben. Bitte vergessen Sie dabei nur die Angabe der Quelle nicht.

Azubitrainings

Gerne unterstütze ich Ausbildungsbetriebe auch mit meinen Trainings für Auszubildende insbesondere zu den Themen Umgangsformen und Telefonieren.

Auch Auszubildende dürfen Feedback geben.

Bild: Pixabay

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