Hilfe, mein Azubi nutzt zu viel KI

by | Jan. 14, 2026 | Allgemein | 0 comments

„Sie gibt jede Aufgabe direkt in die KI ein.“ – so oder so ähnlich beschreiben mir Ausbilder derzeit eine Situation, die im Alltag spürbar zunimmt. Aufgaben werden von Auszubildenden nicht mehr selbst durchdacht, Lösungswege kaum entwickelt, sondern Ergebnisse direkt von der KI (Künstliche Intelligenz) übernommen. Der Eindruck entsteht: Die KI arbeitet – der Auszubildende liefert ab.

Das mag für den Auszubildenden zunächst effizient erscheinen – und vielleicht manchmal auch so sein. Gleichzeitig bleibt ein ungutes Gefühl zurück. Denn Ausbildung lebt davon, dass Auszubildende Zusammenhänge verstehen, Fehler machen dürfen und lernen, sich selbst Lösungen zu erarbeiten. Genau hier beginnt die eigentliche Herausforderung, wenn KI zur ersten und einzigen Anlaufstelle wird.

weibliche Auszubildende mit Bildschirm, auf dem Gehirn zu sehen ist, daneben männlicher skeptisch blickender Ausbilder - Bild zum Blog "Hilfe, mein Azubi nutzt zu viel KI"Nicht verbieten, sondern erklären

Ich halte wenig davon, KI pauschal zu verbieten. Das wäre weder realistisch noch zeitgemäß. Wichtig ist vielmehr, die Rolle klar zu definieren. Künstliche Intelligenz ist ein Werkzeug – nicht mehr, aber auch nicht weniger. Vergleichbar mit einem Navigationssystem: hilfreich, wenn man das Ziel kennt. Problematisch, wenn man ohne es nicht mehr weiß, wo man steht.

Sprechen Sie das offen an. Erklären Sie, warum eigenständiges Denken gerade in der Ausbildung so wichtig ist, z.B. für Prüfungen, für das Verständnis betrieblicher Abläufe oder für Situationen, in denen es keine „fertige Antwort“ gibt.
Erwartungen klar formulieren
Viele Auszubildende nutzen KI nicht aus Bequemlichkeit, sondern aus Unsicherheit. Umso wichtiger sind klare Leitplanken, die als „Spielregeln“ vereinbart werden könnten:

  • Erst selbst überlegen, dann KI nutzen
  • Ergebnisse der Künstlichen Intelligenz müssen erklärt werden können
  • KI-Antworten sind Vorschläge, keine Lösungen

Gerade eine Auszubildende im ersten Lehrjahr braucht diese Orientierung vielleicht noch, um Sicherheit zu entwickeln.

Lernen wieder sichtbar machen

Wenn wir uns immer nur Ergebnisse zeigen lassen, kann dies die KI-Nutzung unbewusst erhöhen. Ein praktischer Ansatz aus dem Alltag: Lassen Sie sich nicht nur das Ergebnis zeigen, sondern auch den Weg dorthin. Fragen Sie nach:

  • Wie bist du vorgegangen?
  • Was hast du selbst überlegt?
  • Was kam aus der Künstlichen Intelligenz – und warum hast du es übernommen?

So wird deutlich, ob Verständnis entstanden ist oder nur Text kopiert wurde.

KI-Ergebnisse hinterfragen und richtig recherchieren lernen

Ein zentraler Lernschritt besteht darin, dass Auszubildende erkennen: Nicht jede KI-Antwort ist automatisch richtig. Genau hier können Sie gezielt ansetzen. Stellen Sie Rückfragen wie: „Woher weißt du, dass diese Information stimmt?“ oder „Welche Quelle bestätigt das?“

So entsteht ein wichtiger Perspektivwechsel. Auszubildende lernen, Ergebnisse zu prüfen, mit Fachquellen abzugleichen und Informationen einzuordnen – statt sie ungefiltert zu übernehmen. Unterstützen Sie dabei, indem Sie zeigen, wo verlässliche Informationen zu finden sind (z. B. Fachliteratur, seriöse Online-Quellen oder interne Unterlagen passend zu Ihrem Fachbereich).

Praxisbeispiel:
Ein Auszubildender im Groß- und Außenhandel lässt sich von der Künstlichen Intelligenz erklären, wie eine Bestellung im Einkauf abläuft. Die Antwort klingt schlüssig. Im Gespräch bitten Sie ihn, den Ablauf mit den internen Arbeitsanweisungen und dem Prozesshandbuch abzugleichen. Dabei stellt der Auszubildende fest, dass die KI einen wichtigen Schritt nicht erwähnt hat: die Prüfung der Lieferbedingungen. Er ergänzt den Ablauf selbstständig und erkennt, dass KI-Antworten nicht immer vollständig sind und deshalb überprüft werden müssen.

Künstliche Intelligenz bewusst durch interne Abläufe und Datenschutz begrenzen

Nicht jede Aufgabe eignet sich für den Einsatz von KI. Gestalten Sie bewusst immer wieder Aufgaben, bei denen Auszubildende betriebsinterne Abläufe erklären, Entscheidungen begründen oder ihr Vorgehen reflektieren müssen. Solche Aufgaben lassen sich nicht so einfach mit der Künstlichen Intelligenz lösen.

Gleichzeitig sollten klare Grenzen gelten: personenbezogene Daten, Kundendaten und firmeninterne Informationen gehören nicht in KI-Tools (außer, es steht eine entsprechende firmeninterne KI zur Verfügung). Sprechen Sie das offen an und machen Sie Datenschutz zu einem festen Bestandteil der Ausbildung. So lernen Auszubildende, KI verantwortungsvoll zu nutzen.

Sinn statt Schnelligkeit vermitteln

Ich empfehle, immer wieder den Zweck zu betonen: Selber zu denken trainiert die notwendige berufliche Handlungsfähigkeit (und damit z.B. Problemlösefähigkeit, Urteilsvermögen und Selbstständigkeit). Fähigkeiten, die Künstliche Intelligenz nur schwer ersetzen kann. Oder anders gesagt: Wer heute alles der KI überlässt, baut kaum eigenes Fundament auf.

Meine Reflexionsfragen für Sie

  • Wie stelle ich sicher, dass mein Auszubildender wirklich versteht – und nicht nur KI-Ergebnisse abgibt?
  • Welche klare Erwartung habe ich an den KI-Einsatz im Ausbildungsalltag?

Tools wie ChatGPT, Google Gemini oder der Copilot werden bleiben. Umso wichtiger ist es, Auszubildende dabei zu begleiten, Künstliche Intelligenz bewusst und dosiert zu nutzen – damit Lernen, Denken und Verstehen weiterhin im Mittelpunkt stehen.

Haben Sie noch weitere Tipps?

P.S. Damit Sie selbst Ihre KI-Kenntnisse erweitern, biete ich übrigens ein Webinar „Erfolgreich Prompten für Ausbilder*innen“ an.

(Bild: Gemini)
Hinweis: Bei der Formulierung dieses Blogs hat mich wieder ChatGPT unterstützt.

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