„Mein Sohn hat eine viel zu schlechte Beurteilung bekommen.“ Oder: „Ich wollte mich mal erkundigen, wie es bei meiner Tochter in der Ausbildung so läuft.“ Kennen Sie solche Anrufe?
Ich wäre früher vermutlich im Boden versunken, wenn meine Eltern in meinem Praktikumsbetrieb angerufen hätten. Heute sieht das teilweise anders aus. Eltern sind für viele junge Menschen wichtige Ratgeber – nicht nur bei Fragen rund um die Berufswahl. Letzteres zeigt auch die Studie „Ausbildungsperspektiven 2026“ der Bertelsmann Stiftung: Für 91 Prozent der befragten Schüler spielen die Eltern bei der Suche nach dem passenden Beruf eine sehr oder eher wichtige Rolle.
Deshalb lohnt es sich, Eltern nicht vorschnell als störende „Helikoptereltern“ zu betrachten. Vielmehr sollten wir uns als Ausbilder fragen, wie wir sie sinnvoll einbinden können, ohne den Auszubildenden dabei Verantwortung abzunehmen.
Volljährig oder minderjährig? Das macht einen Unterschied
Ruft ein Elternteil an, sollten Sie zuerst überlegen, ob der betreffende Auszubildende bereits 18 Jahre alt ist.
Bei einem volljährigen Auszubildenden sind die Eltern rechtlich nicht automatisch Ansprechpartner. Informationen über Beurteilungen, Leistungen oder Verhalten können Sie nicht einfach weitergeben. Möchte der Auszubildende seine Eltern in ein Gespräch einbeziehen, ist das natürlich möglich.
Bei minderjährigen Azubis sind die gesetzlichen Vertreter stärker eingebunden. Das zeigt sich bereits beim Ausbildungsvertrag. Trotzdem bedeutet das nicht, dass jedes Gespräch über den Kopf des Auszubildenden hinweg mit den Eltern geführt werden sollte.
Mein Grundsatz wäre daher: Mit den Auszubildenden sprechen und nicht über die Auszubildenden.
Eltern als Unterstützer nutzen – mit klaren Grenzen
Eltern können gerade in schwierigen Situationen eine wichtige Unterstützung sein. Gleichzeitig sollte die Verantwortung für Fragen, Gespräche und Entscheidungen im Ausbildungsalltag zunehmend beim Auszubildenden selbst liegen.
Deshalb empfehle ich, bereits zu Beginn der Ausbildung deutlich zu machen:
– Fragen aus dem Ausbildungsalltag klärt der Auszubildende zunächst selbst.
– Feedback und Beurteilungen werden direkt mit ihm besprochen.
– Bei größeren Problemen können Eltern sinnvoll einbezogen werden.
– Bei Volljährigen wird vorher geklärt, ob und wie die Eltern beteiligt werden.
Ruft beispielsweise die Mutter eines 20-jährigen Auszubildenden wegen einer Beurteilung an, könnten Sie sagen: „Ich verstehe, dass Sie das beschäftigt. Die offenen Fragen zur Beurteilung bespreche ich zunächst direkt mit Ihrem Sohn. Wenn er anschließend ein gemeinsames Gespräch möchte, können wir das gerne vereinbaren.“
So setzen Sie eine Grenze – freundlich und klar.
Elternforum statt klassischem Elternabend
Natürlich gibt es auch Wege, Eltern bewusst mit einzubeziehen – nicht nur vor der Ausbildung, wie z.B. mit einer Kennenlernrunde. Aber warum eigentlich erst mit Eltern sprechen, wenn etwas schiefläuft?
Eine schöne Möglichkeit ist ein Elternforum, das Sie während der Ausbildungszeit anbieten. Dabei geht es ausdrücklich nicht um einzelne Auszubildende, sondern um Ausbildung allgemein. Und: Das Ausbildungsforum sollte keine reine Informationsveranstaltung sein. Nutzen Sie die Gelegenheit auch für den Austausch mit den Eltern.
Mögliche Themen sind:
– Was gibt es aktuell Neues in der Ausbildung?
– Welche Prüfungen und Meilensteine stehen an?
– Welche Herausforderungen beobachten Sie derzeit bei den Auszubildenden eines Berufes oder eines Jahrgangs?
– Wie können Eltern unterstützen, ohne ihrem Sohn oder ihrer Tochter Aufgaben abzunehmen?
– Welche Projekte bearbeiten die Auszubildenden gerade?
– Welche Entwicklungsmöglichkeiten gibt es nach der Ausbildung?
– Wer ist bei welchen Fragen Ansprechpartner im Betrieb?
Planen Sie dabei bewusst auch Zeit für Fragen und Diskussionen ein. Sie könnten die Eltern beispielsweise fragen: „Was beschäftigt Sie aktuell rund um die Ausbildung Ihres Sohnes oder Ihrer Tochter?“ Oder: „Wo fällt es Ihnen leicht, zu unterstützen – und wo ist es vielleicht gar nicht so einfach?“
So erfahren Sie gleichzeitig, welche Fragen und Unsicherheiten Eltern beschäftigen. Und vielleicht ergeben sich daraus Themen, die Sie beim nächsten Elternforum aufgreifen können.
Wichtig ist dabei eine klare Grenze: Persönliche Leistungen, Fehlzeiten oder Schwierigkeiten einzelner Auszubildender gehören nicht in diese Runde. Solche Themen werden weiterhin individuell besprochen.
Besonders schön finde ich es, wenn Auszubildende an diesem Termin selbst ein Projekt vorstellen. So sprechen Eltern nicht nur mit dem Ausbildungsleiter über Ausbildung – sie erleben, was ihre Tochter oder ihr Sohn inzwischen selbstständig auf die Beine stellt.
Mein Impuls: Schauen Sie einmal auf Ihre eigene Ausbildungspraxis:
– Wissen Ihre Auszubildenden, bei welchen Themen sie selbst gefragt sind?
– Ist klar geregelt, wann und wie Eltern einbezogen werden?
– Gibt es vielleicht eine Möglichkeit, mit den Eltern in Kontakt zu bleiben – beispielsweise durch ein Elternforum?
Wie ist das bei Ihnen? Wie gehen Sie mit Nachfragen der Eltern um? Binden Sie diese in die Ausbildung ein?
FAQs zur Einbindung von Eltern in der Ausbildung
Dürfen Eltern die Beurteilung eines volljährigen Auszubildenden erfahren?
Welche Rolle spielen Eltern bei minderjährigen Auszubildenden?
Wie reagiere ich, wenn Eltern wegen einer schlechten Beurteilung anrufen?
Sollten Eltern grundsätzlich aus der betrieblichen Ausbildung herausgehalten werden?
Was ist das Elternforum im Vergleich zum bekannten Elternabend?
Wie kann ein Ausbildungsforum mehr Austausch ermöglichen?
Wie können Auszubildende in ein Ausbildungsforum einbezogen werden?
Bei der Formulierung des Blogs hat mich wieder ChatGPT unterstützt.
(Bild: ChatGPT)



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